Von der Tiefgarage zum eigenen Autohaus – Kevin Zaplata über Risiko, Kalkulation und Wachstum
1. Wer bist du und welches Unternehmen führst du?
Mein Name ist Kevin Zaplata und ich bin Gründer und Inhaber von Vici-Automobile in Lübeck. Wir sind auf den An- und Verkauf von Gebrauchtwagen spezialisiert. Aus kleinen Anfängen ist seit der Gründung im Jahr 2020 ein professioneller Fahrzeughandel mit einem Bestand von rund 30 Autos entstanden.
2. Wie bist du in die Autobranche gekommen?
Mein Weg in die Branche begann nicht erst mit der Selbstständigkeit. Schon vorher wollte ich verstehen, wie der Fahrzeughandel funktioniert – vom Einkauf über die Aufbereitung bis zum Verkauf. Dieses Interesse habe ich mit einer Ausbildung zum Automobilkaufmann verbunden und dadurch sowohl die kaufmännische als auch die praktische Seite des Geschäfts kennengelernt.
3. Welche Rolle spielte deine Ausbildung?
Die Ausbildung zum Automobilkaufmann war die fachliche Grundlage für meinen späteren Weg. Ich habe sie mit einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen. Dort habe ich gelernt, Fahrzeuge und Märkte einzuschätzen, Verkaufsgespräche zu führen und wirtschaftlich zu kalkulieren. Für die Selbstständigkeit war dieses Wissen besonders wichtig, weil im Autohandel schon kleine Fehlentscheidungen schnell teuer werden können.
4. Wie sahen deine ersten Schritte im Fahrzeughandel aus?
Die ersten Fahrzeuge habe ich nicht auf einem großen Gelände verkauft, sondern aus einer Tiefgarage heraus. Das war ein einfacher Start, aber genau dadurch konnte ich mich vollständig auf Einkauf, Qualität und Verkauf konzentrieren. Jeder abgeschlossene Verkauf brachte neue Erfahrung und gleichzeitig mehr Kapital für das nächste Fahrzeug.
5. Wie ist die Idee zur Gründung von Vici-Automobile entstanden?
Durch meine Ausbildung kannte ich die Abläufe im Automobilhandel bereits gut. Gleichzeitig entstand der Wunsch, eigene Entscheidungen zu treffen und einen Fahrzeughandel nach meinen Vorstellungen aufzubauen. Statt lange auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, habe ich 2020 mit dem vorhandenen Kapital und einem ersten Fahrzeug angefangen.
6. Wie hast du die Idee konkret umgesetzt?
Ich habe zunächst einen großen Teil meines verfügbaren Kapitals in ein einzelnes Fahrzeug investiert. Nach dem Verkauf wurde das Geld nicht privat entnommen, sondern direkt wieder in weitere Autos gesteckt. Auf diese Weise wuchs der Bestand Schritt für Schritt – von einzelnen Fahrzeugen in der Tiefgarage bis zum heutigen Standort in der Krempelsdorfer Allee.
7. Wie viel Startkapital hattest du zur Verfügung?
Zum Start standen mir rund 30.000 Euro zur Verfügung. Im Autohandel wirkt diese Summe zunächst hoch, sie ist jedoch sehr schnell in einem einzigen Fahrzeug gebunden. Deshalb mussten Einkauf, Zustand und späterer Verkaufspreis von Anfang an sorgfältig kalkuliert werden.
8. Welches Fahrzeug war dein erster großer Einkauf?
Eines der entscheidenden Fahrzeuge zum Start war ein Mercedes-Benz CL 500. Damit war ein großer Teil des Startkapitals direkt gebunden. Der Einkauf war entsprechend ein Risiko, aber gleichzeitig die Grundlage, um über den erfolgreichen Weiterverkauf das Geschäft ins Rollen zu bringen.
9. Was waren die größten Herausforderungen am Anfang?
Die größte Herausforderung war die Kombination aus begrenztem Kapital und hohem Warenwert. Wenn nur wenige Fahrzeuge vorhanden sind, hat jeder einzelne Einkauf ein großes Gewicht. Ein technischer Defekt, eine falsche Preiseinschätzung oder eine lange Standzeit können die weitere Entwicklung deutlich bremsen. Deshalb musste ich früh lernen, diszipliniert einzukaufen und Risiken realistisch zu bewerten.
10. Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?
Der Alltag besteht aus deutlich mehr als dem eigentlichen Verkauf. Fahrzeuge müssen gefunden, geprüft, eingekauft, abgeholt und aufbereitet werden. Danach folgen Fotos, Inserate, Kundenanfragen, Besichtigungen, Probefahrten und die gesamte Abwicklung. Gleichzeitig muss ich den Markt beobachten und entscheiden, welche Fahrzeuge voraussichtlich schnell und wirtschaftlich verkauft werden können.
11. Wie verdient Vici-Automobile Geld?
Das Geschäftsmodell basiert auf dem An- und Verkauf von Gebrauchtwagen. Entscheidend ist die Differenz zwischen dem vollständigen Einstandspreis und dem späteren Verkaufspreis. Zum Einstand gehören nicht nur der reine Einkauf, sondern auch Aufbereitung, technische Arbeiten, Hauptuntersuchung, Gewährleistungsrisiko, Vermarktung und laufende Betriebskosten.
12. Wie groß ist euer Fahrzeugbestand aktuell?
Im Bestand befinden sich ungefähr 30 Fahrzeuge. Mit dieser Größe können wir Kunden bereits eine gute Auswahl anbieten. Gleichzeitig bindet jedes zusätzliche Auto Kapital und verursacht laufende Kosten. Wachstum bedeutet deshalb nicht automatisch, einfach möglichst viele Fahrzeuge einzukaufen – der Bestand muss sich auch regelmäßig drehen.
13. In welchem Preissegment bewegen sich eure Fahrzeuge?
Der durchschnittliche Fahrzeugwert liegt ungefähr zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Im Bestand gibt es je nach Marktlage und Nachfrage natürlich günstigere und höherpreisige Fahrzeuge. Gerade in diesem Segment erwarten Kunden eine professionelle Präsentation, nachvollziehbare Fahrzeugdaten und eine vertrauensvolle Beratung.
14. Welche zusätzlichen Kosten entstehen pro Fahrzeug?
Neben dem Einkaufspreis entstehen mehrere Kostenpositionen. Für das Gewährleistungsrisiko müssen beispielsweise häufig rund 400 bis 500 Euro berücksichtigt werden. Eine professionelle Aufbereitung kann etwa 200 Euro kosten, die Hauptuntersuchung ungefähr 160 Euro. Hinzu kommen je nach Fahrzeug Reparaturen, Transport, Standkosten und Werbung.
15. Wie kalkulierst du ein Fahrzeug und welche Marge ist notwendig?
Vor dem Einkauf wird nicht nur der mögliche Verkaufspreis betrachtet. Alle erwartbaren Nebenkosten und Risiken müssen vorher einbezogen werden. Als Ziel sollte am Ende eine Marge von mindestens zehn Prozent möglich sein. Diese zehn Prozent sind jedoch nicht automatisch der Gewinn, weil davon noch betriebliche Kosten und mögliche unerwartete Ausgaben getragen werden müssen.
16. Welche Bedeutung hat Kapitalbindung in eurem Geschäft?
Kapitalbindung ist im Fahrzeughandel ein zentrales Thema. Bei etwa 30 Autos mit einem durchschnittlichen Wert von 30.000 bis 40.000 Euro steckt ein erheblicher Betrag im Bestand. Deshalb sind Standzeit und Umschlag entscheidend: Ein Fahrzeug, das lange nicht verkauft wird, blockiert Kapital, das an anderer Stelle nicht für neue Einkäufe genutzt werden kann.
17. Über welche Kanäle gewinnt ihr eure Kunden?
Ein wichtiger Verkaufskanal ist mobile.de, weil dort viele Kunden bereits mit einer konkreten Kaufabsicht suchen. Zusätzlich nutzen wir Google Ads, um bei passenden Suchanfragen sichtbar zu werden. Instagram hilft dabei, Neuankünfte zu präsentieren, Vertrauen aufzubauen und Vici-Automobile als Marke in Lübeck bekannter zu machen.
18. Welche Marken befinden sich besonders häufig im Bestand?
Unser Bestand ist nicht auf eine einzige Marke festgelegt. Häufig vertreten sind unter anderem Hyundai, Toyota, Volkswagen, Audi und Mercedes-Benz. Beim Einkauf zählt weniger das Logo allein, sondern die Kombination aus Modell, Ausstattung, Zustand, Preis und aktueller Nachfrage.
19. Welche Fahrzeuge verkaufen sich besonders schnell?
Japanische Fahrzeuge können sich bei passender Ausstattung und einem marktgerechten Preis sehr schnell drehen. Teilweise beträgt die Standzeit nur ein bis zwei Wochen. Solche schnellen Verkäufe sind für das Unternehmen besonders wertvoll, weil das eingesetzte Kapital zügig wieder für den nächsten Einkauf verfügbar ist.
20. Wie schafft man im Gebrauchtwagenhandel Vertrauen?
Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Angaben, eine saubere Präsentation und einen offenen Umgang mit dem Zustand des Fahrzeugs. Kunden kaufen nicht nur ein Auto, sondern verlassen sich auch auf den Händler und die Abwicklung. Deshalb sind Erreichbarkeit, Beratung und ein professioneller Auftritt mindestens genauso wichtig wie ein guter Preis.
21. Was war bisher dein größter unternehmerischer Erfolg?
Der größte Erfolg ist die Entwicklung vom Start in einer Tiefgarage zu einem etablierten Standort mit rund 30 Fahrzeugen. Besonders wichtig ist dabei nicht ein einzelner Verkauf, sondern dass aus der ursprünglichen Idee ein dauerhaft funktionierender Betrieb entstanden ist. Eine zusätzliche Bestätigung war die Auszeichnung als Top-Autohändler 2025.
22. Welche Ziele hast du für die Zukunft?
Das Ziel ist, Vici-Automobile kontrolliert weiterzuentwickeln und den Bestand wirtschaftlich auszubauen. Dabei sollen Qualität und Übersicht nicht unter dem Wachstum leiden. Entscheidend bleibt, passende Fahrzeuge einzukaufen, Standzeiten gering zu halten und die Bekanntheit des Unternehmens in Lübeck und darüber hinaus weiter zu stärken.
23. Was würdest du jungen Gründerinnen und Gründern raten?
Man sollte seine Branche zuerst wirklich verstehen und die Zahlen hinter dem Geschäftsmodell kennen. Im Fahrzeughandel reicht Begeisterung für Autos allein nicht aus. Einkauf, Kosten, Marge, Risiko und Liquidität müssen jederzeit im Blick bleiben. Klein anzufangen ist kein Nachteil – wichtig ist, konsequent zu lernen, Gewinne sinnvoll zu reinvestieren und nicht schneller zu wachsen, als es die eigenen Strukturen erlauben.

