Wie Kevin Zaplata Vici-Automobile in Lübeck aufgebaut hat

Interview Unternehmerpfad
Anhören
Profilbild Kevin Zaplata
Kevin Zaplata Gründer, Vici-Automobile
50.000 - 80.000 € Umsatz/Monat
0 Beschäftigte
2018 gegründet

1. Wer bist du und welches Unternehmen hast du gegründet?

Mein Name ist Kevin Zaplata, ich bin 31 Jahre alt und der Gründer von Vici-Automobile mit Sitz in Lübeck, an der Krempelsdorfer Allee 37. Mein Unternehmen ist auf den An- und Verkauf von Fahrzeugen spezialisiert. Dabei geht es mir nicht nur darum, Autos zu handeln, sondern auch darum, für meine Kundinnen und Kunden ein zuverlässiger Partner zu sein, wenn es um Mobilität und Vertrauen im Autohandel geht.

2. Erzähl uns etwas über deine Kindheit.

Ich bin in Lübeck geboren und habe dort meine Kindheit verbracht. Ich habe zwei ältere Geschwister, von denen ich viel lernen konnte. Schon früh habe ich den Umgang mit Geld kennengelernt, etwa seit meiner Kommunion, und durch meinen älteren Bruder entwickelte ich schnell ein starkes Interesse an motorisierten Fahrzeugen – angefangen beim Roller über Motorräder bis hin zum Auto. Diese Leidenschaft hat mich schon als Kind stark geprägt und war später ein wichtiger Grundstein für meinen beruflichen Weg.

3. Wie verlief deine schulische Laufbahn?

In der Grundschule tat ich mich zunächst schwer, weshalb ich eine Empfehlung für die Hauptschule erhielt. Dort konnte ich jedoch zeigen, dass in mir mehr steckt: Ich habe meinen Abschluss mit der besten Prüfung der Klasse gemacht. Anschließend wechselte ich auf die Fachschule, um meinen Mittleren Schulabschluss zu absolvieren. Danach habe ich für meine Mutter sogar noch das Fachabitur gemacht – auch wenn mir damals der Fleiß gefehlt hat, habe ich es am Ende erfolgreich bestanden. Später habe ich ein BWL-Studium an der Hochschule Wismar begonnen, dieses jedoch nach drei Monaten abgebrochen, da ich merkte, dass es nicht das Richtige für mich war.

4. Wie ging es danach weiter?

Nach dem kurzen BWL-Studium habe ich ein Jahr Pause eingelegt, in dem ich bereits angefangen habe, mit Autos zu handeln. Danach absolvierte ich eine Ausbildung zum Automobilkaufmann, arbeitete rund anderthalb Jahre in einem Hausmeisterservice und wagte schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Zunächst hatte ich in Ratekau eine kleine Halle mit drei bis vier Autos, bevor ich Mitte 2020, mitten in der Corona-Zeit, meinen heutigen Standort eröffnete.

5. Wie ist die Idee zur Unternehmensgründung entstanden?

Ehrlich gesagt war die Selbstständigkeit zunächst gar nicht mein Plan. Ich hatte privat Autos verkauft, dabei allerdings Probleme mit der Staatsanwaltschaft bekommen. Dadurch blieb mir kaum eine andere Wahl, als den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Im Nachhinein war es zwar ein ungewöhnlicher, aber genau der richtige Weg für mich.

6. Wie wurde die Idee weiterentwickelt und schließlich umgesetzt?

Die Umsetzung war im Grunde eine spontane Entscheidung. In einem Tattoostudio habe ich aus Langeweile ein Logo gezeichnet, das schließlich zu meinem Unternehmenszeichen wurde. Kurz darauf habe ich einen gewerblichen Account bei eBay Kleinanzeigen eröffnet, am nächsten Tag das Gewerbe angemeldet und ein Geschäftskonto eröffnet. So entstand Schritt für Schritt mein Unternehmen – aus einer spontanen Idee heraus, die sich schnell verselbständigt hat.

7. War Startkapital notwendig – und wenn ja, wie wurde es beschafft?

Ja, Startkapital war notwendig. Ich habe dafür mein angespartes Geld eingesetzt und sogar mein Traumauto verkauft, um das notwendige Kapital zusammenzubekommen. Es war kein einfacher Schritt, aber notwendig, um meine Idee in die Realität umzusetzen.

8. Welche Herausforderungen gab es zu Beginn?

Die Anfangszeit war geprägt von vielen Herausforderungen. Besonders schwierig waren die bürokratischen Themen: die Suche nach einem zuverlässigen Steuerberater, das Bewältigen der ganzen Formalitäten und natürlich die große Verantwortung, die mit der Selbstständigkeit auf einmal auf mir lastete.

9. Gab es einen Moment, in dem du fast aufgegeben hättest?

Ja, diese Momente gab es mehrfach. Ob Reklamationen, anwaltliche Schreiben oder Monate ohne Verkäufe – all das hat mich an meine Grenzen gebracht. Viele sagten damals zu mir: „Du hast dich in der schlimmsten Zeit selbstständig gemacht. Wenn du diese Hürde schaffst, schaffst du alles.“ Dieser Satz hat mir geholfen, durchzuhalten.

10. Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?

Mein Tag beginnt in der Regel um 10 Uhr, wenn ich den Laden aufschließe und die Termine für Probefahrten vorbereite. Nebenbei halte ich ständig Ausschau nach neuen Autos. Fahrzeuge werden zur Werkstatt gebracht, aufbereitet, für den Verkauf vorbereitet und schließlich in Verträge überführt. Jeder Tag ist abwechslungsreich und verlangt Organisationstalent.

11. Wie verdient dein Unternehmen aktuell Geld?

Hauptsächlich durch den Verkauf von Autos. Außerdem erhalte ich Provisionen von Banken, wenn Kundinnen und Kunden eine Finanzierung über mich abschließen.

12. In welcher Umsatzspanne bewegt ihr euch derzeit?

Der Jahresumsatz liegt derzeit zwischen 800.000 und 1.000.000 Euro. Darauf bin ich stolz, denn es zeigt, dass sich mein Einsatz und mein Durchhaltevermögen ausgezahlt haben.

13. Wie groß ist dein Team aktuell?

Momentan arbeite ich überwiegend alleine. Unterstützung erhalte ich durch Partner wie Aufbereiter und Werkstätten sowie gelegentlich durch meine Familie. Ein festes Team gibt es bisher nicht.

14. Wie viel kannst du dir persönlich aus dem Unternehmen als Gehalt oder Gewinn auszahlen?

Ich mache Privatentnahmen, wann immer es nötig ist. Im Durchschnitt beläuft sich das auf rund 3.000 Euro im Monat. Es ist für mich ein guter Ausgleich zwischen den Investitionen ins Unternehmen und meinen persönlichen Bedürfnissen.

15. Welche Kanäle nutzt ihr heute zur Kundengewinnung?

Die wichtigsten Kanäle sind Empfehlungen und Mundpropaganda, unterstützt durch gute Bewertungen. Außerdem werbe ich im Radio, insbesondere in Rewe-Märkten, nutze Online-Bewertungen und Instagram, um Kundinnen und Kunden zu erreichen.

16. Was sind derzeit die größten operativen Herausforderungen für euch?

Aktuell sind die größten Herausforderungen die richtige Social-Media-Werbung, die Suche nach einem zuverlässigen Mitarbeiter mit Fachkenntnissen im Automobilbereich sowie die Suche nach einem neuen Standort, der mindestens so gut gelegen ist wie der jetzige – was nicht leicht ist.

17. Welche Entwicklungen oder Projekte laufen aktuell besonders gut?

Momentan läuft der Verkauf sehr gut, was sich direkt in Umsatz und Gewinn widerspiegelt. Es ist motivierend zu sehen, dass die Nachfrage hoch bleibt und meine Arbeit Früchte trägt.

18. Was war bisher dein größter Erfolg als Unternehmer?

Zu meinen größten Erfolgen zählen eine Auszeichnung durch die Zeitschrift Auto Motor Sport als bester Autohändler, zahlreiche positive Rezensionen und der Umstieg auf hochpreisigere Autokategorien. Diese Erfolge zeigen mir, dass sich mein Einsatz lohnt.

19. Was war die wichtigste Lektion, die du als Unternehmer gelernt hast?

Die wichtigste Lektion für mich ist, mich niemals blind auf andere zu verlassen. Es ist wichtig, viele Dinge selbst zu beherrschen und Verantwortung zu übernehmen. Außerdem habe ich gelernt, dass Freunde nicht immer gleich Freunde sind. Neid ist ein ständiger Begleiter und der Freundeskreis wird mit der Zeit kleiner.

20. Welche Fehler würdest du heute vermeiden?

Heute würde ich vermeiden, mich zu sehr auf andere zu verlassen oder unüberlegt Entscheidungen zu treffen. Aus Fehlern habe ich gelernt, dass Planung und Weitsicht unverzichtbar sind.

21. Was motiviert dich jeden Tag aufs Neue, weiterzumachen?

Meine größte Motivation ist meine Tochter. Ich möchte ihr ein gutes Leben ermöglichen, in dem sie nicht mit wenig aufwachsen muss. Gleichzeitig treibt mich der Wunsch nach finanzieller Freiheit und mein persönlicher Ehrgeiz an, immer weiterzumachen.

22. Welche Ziele hast du für dich und dein Unternehmen in den nächsten 12 Monaten?

In den kommenden zwölf Monaten möchte ich mein Unternehmen vergrößern – sowohl was den Platz betrifft als auch durch neue Mitarbeiter. Gleichzeitig ist es mir wichtig, die guten Bewertungen zu behalten, weitere Auszeichnungen zu erhalten und natürlich mehr Umsatz zu erzielen.

23. Was würdest du jungen Gründer*innen raten, die gerade erst anfangen?

Mein wichtigster Rat: Vertraue auf dich selbst. Rückschläge sind keine Mauern, die dich aufhalten sollen, sondern Stufen, die dich weiterbringen. Der Weg nach oben verläuft nie gerade – er ähnelt eher dem Kurs einer Aktie, die mal steigt und mal fällt. Entscheidend ist aber die langfristige Richtung, und die zeigt nach oben.